Vorträge

Sie finden hier die Zusammenfassungen der Vorträge, die wir in zeitlicher Reihenfolge aufgelistet haben.

Programm Referenten Anmeldung Arbeitsgruppen

Partnerschaftliche Gewalt: Geschlecht, Risiko und die Rolle des dyadischen Prozesses

SA 09:00 | Prof. Dr. Amy Slep

Partnerschaftliche Gewalt ist weit verbreitet. Ungeachtet der Aufmerksamkeit und Forschung zum Thema hatten die Bemühungen um Prävention und Behandlung bisher nur beschränkte Wirksamkeit. Unsere Disziplin der Faktoren, die zu partnerschaftlicher Gewalt beitragen, muss sorgfältiger die Mechanismen erklären, um die Grundlage für wirkungsvollere Interventionen zu schaffen. Es gibt zunehmend Beweise für die Annahme, dass dyadische Prozesse zur Gewalt beitragen. Beide Partner in einer Beziehung steuern Risiko- und Schutzfaktoren bei. Die Art und Weise, wie diese Faktoren zur Gewalt beitragen, ähnelt sich bei Männern und Frauen mehr als sie sich unterscheidet. Abschließend werden die Forschung zu diesen Themen und die Implikationen besprochen

„Das tut mir leid, aber wir helfen keinen Männern“. Die Erfahrungen männlicher Opfer von partnerschaftlicher Gewalt mit Scham und der Suche nach Hilfsangeboten

SA 09:45 | Prof. Dr. Emily M. Douglas

Die Forschung aus den USA seit den 1970ern hat gezeigt, dass Männer und Frauen in ungefähr gleichem Maße einander partnerschaftliche Gewalt antun, wobei aber Frauen als Resultat dieser Gewalt öfter verletzt werden. Dieser Vortrag konzentriert sich auf männliche Opfer partnerschaftlicher Gewalt, wer sie sind, ob sie Kinder haben, welche Gewalt sie erleiden, welche internen Barrieren sie überwinden müssen – wie Scham und Angst, wenn sie sich um Hilfe bemühen. Außerdem werden die Erfahrungen von Männern mit der Suche nach Hilfsangeboten besprochen – wo sie nach Hilfe suchen und wie Fachleute auf ihr Hilfegesuch antworten.

Verborgene Opfer: Eine Untersuchung der Gewalt- und Kontrollerfahrungen von Männern

SA 11:00 | Prof. Dr. Elizabeth Bates

Jüngste Forschungsergebnisse stützen die Theorie, dass es eine signifikante Anzahl von Männern gibt, die Erfahrungen mit Gewalt durch ihre Partnerinnen machen (z. B. Bates & Graham-Kevan, 2016). Dennoch gibt es wenige Studien, die auch qualitativ die Viktimisierungserfahrungen von Männern in Hinblick auf Aggression und Kontrolle untersucht haben. Ziel der gegenwärtigen Studie war es, die Erfahrungen von Männern mit weiblichen Partnerinnen zu erforschen. Die Ergebnisse zeigen, dass Männer signifikante sprachliche und körperliche Gewalt erleben, wie auch Kontrolle, Manipulation und psychologischen Missbrauch. Darüberhinaus berichteten sie auch von erheblichen Barrieren in der Suche nach Hilfsangeboten und gaben oftmals an, niemanden von ihrem erlittenen Missbrauch unterrichtet zu haben.

Gewalt im Kontext von Familie und Partnerschaft: Ansatzpunkte für die Prävention aus gesundheitswissenschaftlicher Sicht

SA 11:45 | Dr. Robert Schlack

Gewalt kann jede/n treffen, jedoch sind Gewalterfahrungen in der Bevölkerung nicht gleichverteilt. Unterschiedliche Formen von Gewalt (z.B. Partnergewalt, Gewalt gegen Kinder, sexuelle Gewalt, Jugendgewalt oder Schulbullying) kumulieren in Individuen, psychosozialen Hochrisikopopulationen und -communities und weisen gemeinsame Risiko- und Schutzfaktoren auf, sowohl in Bezug auf Viktimisierung als auch Gewaltausübung (CDC, 2016). Daten aus dem bevölkerungsbezogenen deutschen Gesundheitsmonitoring verweisen auf die zentrale Bedeutung struktureller und funktioneller familiärer Risikolagen für die Entstehung und Prävention verschiedener Formen von Gewalt sowie deren transgenerationaler Weitergabe.

Die vielfältigen Pfade zwischen Trauma, posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und interpersoneller Gewalt

SA 14:30 | Prof. Dr. Rachel Dekel

Die Präsentation untersucht anhand dreier Musterbeispiele die verschiedenen Zusammenhänge zwischen dem Erleben traumatischer Ereignisse, posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und interpersoneller Gewalt. Die erste Studie erforscht PTBS unter weiblichen Überlebenden familiärer Gewalt. Die zweite Studie befasst sich mit der Verbindung von Kampfeinsatz, PTBS und der Verübung familiärer Gewalt unter männlichen Kriegsveteranen. Die dritte Studie stellt den Zusammenhang dar zwischen den traumatischen Erlebnissen von Kindern, PTBS und gegenwärtiger Gewaltausübung der Männer innerhalb der Familie. Schließlich werden der Gebrauch der Trauma-Perspektive und des Verständnisses dieser vielfältigen Pfade innerhalb der Intervention diskutiert.  

Murray A. Straus: Ein Pionier des Studiums familiärer Gewalt

SA 15:15 | Prof. Dr. Emily M. Douglas

Diese Präsentation ist ein Tribut an den Vater des Forschungsbereichs familiäre Gewalt, Dr. A. Murray Straus. Er untersuchte familiäre Gewalt, entwickelte die Conflict Tactics Scales (auch CTS-Methode) und betreute tausende Studenten, Stipendiaten und Kollegen. Straus war ein mutiger Gelehrter, der das Thema familiäre Gewalt in die Öffentlichkeit rückte und sich auch kontroverser Themen annahm. Seine Arbeit zur Symmetrie der Geschlechter in der Verübung / Viktimisierung von Gewalt in Partnerschaften führte zu Morddrohungen und Forderungen nach einem Verbot seiner Arbeit. Dennoch blieb er unbeirrt in seinem Engagement, familiäre Gewalt zu untersuchen und die Aufmerksamkeit für das Thema zu erhöhen.

Eine einfache und effektive interaktionale Unterscheidung zwischen verschiedenen Paartypen, die mit Gewalt leben

SO 09:00 | Prof. Dr. Zeev Winstok

Die Präsentation schlägt eine einfache und effektive Weise vor, gewalttätige Paartypen zu identifizieren. Zuerst wird eine Typologie vorgestellt, die vom verstorbenen Prof. Murray Straus entwickelt wurde. Diese Typologie unterscheidet zwischen Paaren, in denen die Gewalt entweder ausschließlich vom Mann, von der Frau oder von beiden ausgeht. Danach werden Studien zum Anteil von und Unterschiede zwischen gewalttätigen Paartypen untersucht. Zum Schluss werden die theoretischen und praktischen Implikationen der Umsetzung dieser Unterscheidung im Rahmen der professionellen Behandlung von Gewalt in Partnerschaften besprochen. Eine solche Umsetzung kann die Intervention verbessern und zwischen den gängigen ideologischen, theoretischen und therapeutischen Wahrnehmungen des Fachgebiets vermitteln.

Kann es eine universale Antwort auf partnerschaftliche und familiäre Gewalt geben?

SO 09:45 | Prof. Dr. Miles Groth

Der Autor erörtert seine Arbeit mit Personen, die durch Gewalt im intimen Rahmen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Er stellt zwei Fragen: Was benötigen Klienten – die aus aus ähnlichen, jedoch in soziokultureller Hinsicht unterschiedlichen westlichen Bevölkerungsgruppen stammen und denen derartig Schaden zugefügt wurde, dass sie fremde Hilfe aufsuchen (insbesondere zur Prävention weiterer Gewalt) – von den helfenden Experten? Was in der Beziehung zu ihnen ist therapeutisch, so dass es zu einem Wandel im Dasein der Person und einer Abnahme von Gewalt in ihrem Leben führt? Ziel ist die Erläuterung einiger allgemeiner Prinzipien der professionellen Antwort auf Männer, Frauen und Kinder in gewalttätigen partnerschaftlichen oder familiären Beziehungen, deren Erfahrungen mit körperlicher und/oder emotionaler Gewalt zu Tage treten.